General-Anzeiger: Vom Glück des Entdeckens

Rex-Kino zeigt Film über Komponistinnen

Von GUIDO KRAWINKEL

Komponieren ist meistens Männersache, das fiel der Pianistin Kyra Steckeweh irgendwann auf. Sie spielte nur Musik von Männern und fragte sich irgendwann: „Wie kann es sein, dass Komponistinnen so unbekannt und in den Konzertprogrammen so schlecht repräsentiert sind?“ Eine gute und wichtige Frage, die die aus Bonn stammende und jetzt in Leipzig lebende Steckeweh bis heute beschäftigt.

Ihre Neugier war geweckt. „Ich dachte, ich schaue einfach mal nach und habe dann ganz fantastische Stücke gefunden. Das hat mich noch mehr motiviert, mehr als noch mal den hundertsten Beethoven-Zyklus oder andere Werke zu machen, die jeder schon kennt.“ Es waren also weder die Suche nach einem pianistischen Alleinstellungsmerkmal oder feministische Grundsätze, die Steckeweh dieses Repertoire haben entdecken lassen: „Ich war einfach neugierig und wollte Musik entdecken, die mir bisher noch nie begegnet war.“

Das hat dazu geführt, dass sie stetig neue Werke aufgestöbert hat und zusammen mit dem Filmemacher Tim van Beveren auch ein Film entstanden ist, der am Sonntag im Endenicher Rex-Kino seine Bonner Premiere feiert. „Dieses Projekt hat sich entwickelt. Zuerst wollten wir nur einen kleinen Film von einer Reise nach Paris zu den Wirkungsstätten von Mel Bonis und Lili Boulanger machen. Dann kamen noch Fanny Mendelssohn und Emilie Mayer hinzu.“ Für den Film hat Steckeweh unter anderem die Hauptwirkungsstätten der Komponistinnen in Berlin, Paris, Rom und Stettin besucht, dazu das im Archiv „Frau und Musik“ in Frankfurt, in dem Werke von circa 1800 Komponistinnen vom 9. Jahrhundert bis heute ihrer Entdeckung harren.

Steckewehs wohl spektakulärste Neuentdeckung ist die Berliner Komponistin Emilie Mayer (1812-1883), die ein umfangreiches Werk hinterließ, darunter acht Sinfonien und zwölf Streichquartette.

„Komponistinnen“ im Endenicher Rex am Sonntag, 2. Dezember,11 Uhr. Steckeweh und Tim van Beveren werden anwesend sein.

(General-Anzeiger Bonn vom 29.11.2018, Feuilleton, S. 10)